Was begründet Würde wirklich: Autonomie oder Verletzlichkeit? Und kann Freiheit nur bestehen, wenn sie sich selbst begrenzt?
Beim nächsten Netzwerktreffen des Netzwerks Rechte der Natur e.V. begrüßen wir Isa Bilgen, Rechtswissenschaftler an der Universität Potsdam und Autor von Dialektik der Würde. Gemeinsam diskutieren wir die zentralen Fragen seines Buches und ihre Bedeutung für die Rechte der Natur. Im Fokus steht ein vulnerabilitätstheoretischer Würdebegriff und die Frage, welche Konsequenzen sich daraus für Tiere und Natur als Rechtssubjekte ergeben.
Wir freuen uns, mit Isa Bilgen, Rechtswissenschaftler und Rechtsphilosoph an der Universität Potsdam am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, insbesondere Staatsrecht, Verwaltungs-, Kommunal- und Finanzrecht, sowie Autor des Buches Dialektik der Würde, einen ausgewiesenen Experten als Gast begrüßen zu dürfen.
Ausgangspunkt des Buches ist die These, dass die Würde als höchster Wert die Ordnung des Zusammenlebens bestimmt. Wie Freiheit konkret ausgestaltet wird, hängt daher davon ab, welches Würdeverständnis zugrunde gelegt wird. Während sich in der Moderne – maßgeblich mit Immanuel Kant – ein autonomiegestütztes Verständnis etabliert hat, entwickelt Bilgen ein vulnerabilitätstheoretisches Konzept. Würde gründet demnach nicht in der Autonomiefähigkeit des Vernunftwesens, sondern in der Verletzlichkeit des Menschen als Naturwesen, das vom objektiven Gewissen als Subjekt anerkannt wird.
Das Gewissen wird so zum Grund der Würde, nicht die Autonomie. Der Fortschritt der Freiheit zeigt sich nicht in grenzenloser Selbstermächtigung, sondern in gewissensgeleiteter, empathischer Selbstbeschränkung gegenüber leidender Natur. Auf dieser Grundlage entwirft das Buch eine ökologisch-soziale Freiheitsordnung, die individuelle, soziale, ökologische und kollektive Dimensionen zusammenführt.
In seiner Besprechung beschreibt Helmut Scheel, Mitglied im Vorstand, das Werk als ein Buch, „das einen nicht mehr loslässt“, weil es den Leser in einen Dialog zieht, der das eigene Denken verändert. Es stelle die Frage, wie Freiheit in einer Welt überleben kann, die sich selbst an den Rand des ökologischen und sozialen Kollapses bringt. Hervorgehoben wird insbesondere die strukturelle Analyse, mit der gezeigt wird, dass eine Freiheit ohne Selbstbeschränkung in Willkür, Ausbeutung und Selbstzerstörung umschlägt. Zugleich würdigt die Besprechung die zentrale Rolle des Gewissens sowie die Konsequenzen eines an Vulnerabilität geknüpften Würdebegriffs – bis hin zur Frage der Rechtssubjektivität von Tieren.
Die vollständige Buchbesprechung finden Sie hier:
Zur Buchbesprechung
Zum Buch (OPEN ACCESS):
https://www.duncker-humblot.de/buch/dialektik-der-wuerde-9783428196678/
Wir freuen uns auf einen anregenden Abend mit fachlichem Impuls, vertiefter Diskussion und persönlichem Austausch im Netzwerk.
Teilnahme-Link: https://meet.goto.com/842916597
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(Text der Veranstaltenden)
